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Neuses a.d. Eichen - Es war ein Abend mit historischem Charakter im Gasthof „Zur Eiche“ in Neuses: Mit der dortigen Bürgerversammlung endete nicht nur die diesjährige Reihe der Informationsveranstaltungen, sondern auch eine Ära. Für Bürgermeister Udo Siegel war es der letzte Termin dieser Art in seiner 18-jährigen Amtszeit. Bevor er den Stab an seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin übergibt, nutzte Siegel die Gelegenheit für einen umfassenden Kassensturz und einen detaillierten Blick auf die großen Projekte, die die Gemeinde Großheirath bewegen.
Solide Finanzen trotz sinkender Zuschüsse
Zum Abschied konnte der Bürgermeister finanzielle Entwarnung geben. Der Haushalt 2025, der so spät genehmigt wurde wie nie zuvor, schließt zwar mit fast 13 Millionen Euro Einnahmen und Ausgaben ab, doch die ursprünglich eingeplante Kreditaufnahme von rund 1,255 Millionen Euro wird in diesem Jahr nicht benötigt. Da sich geplante Maßnahmen verschoben haben, bleibt die „Schwarze Null“ vorerst gewahrt.
Erfreulich stellt sich die Einnahmenseite dar: Die Einkommensteuer hat sich seit Siegels Amtsantritt im Jahr 2008 auf über zwei Millionen Euro mehr als verdoppelt. Auch die Gewerbesteuer kletterte dank Neuansiedlungen und gut laufender Betriebe von einst 500.000 Euro auf fast zwei Millionen Euro. Einziger Wermutstropfen dieser positiven Entwicklung: Durch die hohe Steuerkraft der Gemeinde sinken im Gegenzug die staatlichen Schlüsselzuweisungen. „Ich habe mehr Einnahmen in einem Jahr, kriege dann aber im Folgejahr weniger Zuschüsse“, erklärte Siegel den Mechanismus.
Millionen-Investitionen: Arztpraxis, Feuerwehr und Straßen
Siegel blickte auf eine Reihe von Großprojekten zurück, die das Gemeindebild nachhaltig prägen.
Das aktuell größte finanzielle Projekt ist der Umbau zur Verlegung der Arztpraxis, des Bäckers und eines Nagelstudios. Hier konnte Siegel Vollzug melden: Der Bäcker ist mittlerweile in die neuen Räumlichkeiten umgezogen. Die Arztpraxis selbst soll im Januar oder Februar folgen. Auch ein neues öffentliches WC ist Teil der Maßnahme, die laut Bürgermeister im Kostenrahmen liegt.
Kräftig investiert wurde in die Sicherheit. Dazu zählen ein neues Fahrzeug für Großheirath (ca. 292.000 Euro), ein bestelltes Fahrzeug für Buchenrod (ca. 200.000 Euro) sowie neue Schutzanzüge und Helme für rund 220.000 Euro.
Enorme Summen flossen in die Infrastruktur, darunter die Sanierung der Schulstraße (ca. 812.000 Euro) und des Hirtenbergs in Rossach (fast 800.000 Euro).
Das Hochwasser im letzten Jahr hat die Gemeinde gefordert; ein Rückhaltebecken bei Mittelholz ist in Planung. Weniger erfreulich verläuft die Umrüstung auf digitale Sirenen: Aufgrund massiver Verzögerungen durch die ausführende Firma hat die Gemeinde inzwischen einen Rechtsbeistand eingeschaltet.
Kläranlage und Glasfaser fordern die Zukunft
Auch wenn Siegel geht, die Aufgaben bleiben. Als „kostspieligste Aufgabe der nächsten Jahre“ benannte er die Sanierung der Kläranlage Itzgrund. Trotz eines Zuschusses von rund 700.000 Euro machte Siegel deutlich, dass Bürgerbeiträge zur Finanzierung unumgänglich sein werden.
Ein weiteres Mammutprojekt ist die Breitband-Erschließung. Mit einem Investitionsvolumen von über 2 Millionen Euro sollen Watzendorf sowie Teile von Großheirath, Rossach und Buchenrod angeschlossen werden. Eine Informationsveranstaltung hierzu ist für Januar geplant. Geduld ist hingegen bei der Dorferneuerung Großheirath gefragt: Die Genehmigung wird erst im Frühjahr 2026 erwartet, was der Gemeinde jedoch aufgrund überarbeiteter Förderrichtlinien voraussichtlich höhere Zuschüsse bescheren wird.
Diskussion: Ärger um Straßenbau und Planungsfehler
Nach dem Rückblick nutzten die Bürger die letzte Gelegenheit, dem scheidenden Bürgermeister ihre Sorgen mit auf den Weg zu geben. Massiver Diskussionsbedarf bestand beim Thema Straßenbau. Insbesondere bei den Projekten in der Langen Gasse und der Straße zwischen Neuses und Buchenrod äußerten Anwohner scharfe Kritik. Bemängelt wurden fehlende Sicherungsmaßnahmen und eine unzureichende Planung. Vor allem Probleme mit Höhenunterschieden und Gefällen sorgen für Unmut. Die Bürger stellten die Frage in den Raum, wer die Höhenfestlegungen getroffen habe und wer letztlich für daraus resultierende Schäden haftbar gemacht werden könne.
Verkehrsbreite und Grunderwerb
Speziell bei der Verbindungsstraße Neuses–Buchenrod wurde die Notwendigkeit einer angemessenen Ausbaubreite betont, um den Begegnungsverkehr zu erleichtern und Bankettschäden zu vermeiden.
Zweifel am Hochwasserschutz
Auch die Sinnhaftigkeit bestimmter Hochwasserschutzprojekte wurde hinterfragt. Konkret ging es um die Maßnahmen zwischen Neuses und Watzendorf. Kritische Stimmen äußerten Bedenken, ob die Gelder hier effektiv eingesetzt seien. Es wurde Kritik an der Planung zur Wasserableitung und -rückhaltung laut. Die Bürger forderten, bei solchen Projekten künftig stärker auf ortsansässige Expertise zu setzen, da die lokalen Gegebenheiten oft besser von den Anwohnern eingeschätzt werden könnten als von externen Planern.
Gewerbesteuer, Beleuchtung und Bürgernähe
Die Diskussion berührte zudem bürokratische und infrastrukturelle Themen. Angesprochen wurde die Gewerbesteuerpflicht von Freiflächenphotovoltaikanlagen – ein Thema, das für die Gemeindekasse von Relevanz ist. Zudem wünschten sich Bürger eine angemessene Beleuchtung von Bushaltestellen zur Erhöhung der Sicherheit.
Abschließend wurde auch der Umgang der Verwaltung mit Bürgeranliegen kritisch beleuchtet: Es wurde die Frage gestellt, ob Anträge, die in Bürgerversammlungen gestellt werden, auch wirklich ausreichend behandelt werden und ob die Antragsteller im Anschluss eine entsprechende Rückmeldung erhalten.