04.11.2025
Bürgermeister Siegel blickt zurück: „Es war mir eine Ehre“

Großheirath – Es war eine besondere Bürgerversammlung am Montagabend. Für Bürgermeister Udo Siegel war es die „letzte Runde Bürgerversammlung in dieser Legislaturperiode“ und zugleich die letzte in seiner 18-jährigen Amtszeit. Vor der anstehenden Wahl nutzte Siegel die Gelegenheit für einen umfassenden Rück- und Ausblick auf die Finanzen, große Bauprojekte und die Herausforderungen, die auf seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin warten.

Solide Finanzen trotz geplanter Defizite

Den Auftakt machte, unter anderem vor den FREIE WÄHLER Kandidaten Andreas Lorenz, Franziska Lorenz, Oliver Göckel und Adrian Kirchner, der Kassensturz. Der Haushalt 2025, der mit fast 13 Millionen Euro Einnahmen und Ausgaben abschließt, wurde so spät genehmigt wie nie. Erstmals seit über 15 Jahren musste die Gemeinde wieder eine Kreditaufnahme einplanen – rund 1,255 Millionen Euro waren vorgesehen.

Doch Siegel konnte Entwarnung geben: Die Kreditaufnahme wird dieses Jahr nicht benötigt. Aufgrund der späten Genehmigung konnten geplante Maßnahmen, etwa im Straßenbau, nicht mehr umgesetzt werden und werden ins nächste Jahr verschoben.

Positiv entwickeln sich die Einnahmen: Die Einkommensteuer hat sich seit 2008 auf über zwei Millionen Euro mehr als verdoppelt. Auch die Gewerbesteuer stieg dank Neuansiedlungen und gut laufender Betriebe von 500.000 Euro auf fast zwei Millionen.

Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Durch die hohe Steuerkraft der Gemeinde sinken die staatlichen Schlüsselzuweisungen. „Ich habe mehr Einnahmen in einem Jahr und dann kriege ich aber dann im Folgejahr weniger Zuschüsse“, erklärte Siegel den Zyklus.

Millionen-Investitionen: Von der Arztpraxis bis zur Feuerwehr

Bürgermeister Siegel blickte auf eine Reihe von Großprojekten zurück.

  • Umbau der Arztpraxis: Dies sei momentan der „größter Batzen was finanziell auftritt“. Der Umbau zur Verlegung der Praxis, des Bäckers und eines Nagelstudios laufe auf Hochtouren. Der Bäcker soll noch im November umziehen können, die Arztpraxis selbst im Januar oder Februar. Das Gebäude erhält auch ein neues öffentliches WC. Man liege aktuell im Kostenrahmen.
  • Feuerwehr: In die Sicherheit der Bürger wurde kräftig investiert. Dazu zählen ein neues Fahrzeug für Großheirath (ca. 292.000 Euro), ein bestelltes Fahrzeug für Buchenrod (ca. 200.000 Euro),  sowie neue Schutzanzüge und Helme für rund 220.000 Euro.
  • Straßenbau: Als enorme Kostenfaktoren erwiesen sich diverse Straßensanierungen, darunter die Schulstraße (ca. 812.000 Euro) und der Hirtenberg in Rossach (fast 800.000 Euro).
  • Starkregen: Das Hochwasser-Ereignis im letzten Jahr habe die Gemeinde „eiskalt erwischt“. Sandsack-Boxen wurden aufgestellt und ein Rückhaltebecken bei Mittelholz ist in Planung.
  • Sirenen: Die Umrüstung auf digitale Sirenen verzögert sich. Man habe aufgrund der Verzögerungen durch die Firma nun einen Rechtsbeistand eingeschaltet.

Ausblick: Kläranlage und Glasfaser fordern die Zukunft

Auch die kommenden Aufgaben werden teuer. Als „kostspieligste Aufgabe in den nächsten Jahre“ nannte Siegel die Sanierung der Kläranlage Itzgrund. Großheirath erhalte hier, anders als Partnergemeinden, noch einen Zuschuss von rund 700.000 Euro. Dennoch machte Siegel klar: „Es wird auch nicht ausbleiben, ... dass wir für die Abwasserkläranlage mit Bürger noch mal zur Kasse bitten muss“.

Ein weiteres Großprojekt ist die Breitband-Erschließung. Mit Kosten von 2,2 bis 2,3 Millionen Euro (bei 1,65 Mio. Förderung) werden Watzendorf sowie Teile von Großheirath, Rossach und Buchenrod angeschlossen. Die Gemeinde setzt auf ein Betreibermodell, bei dem sie Eigentümer der Leitungen bleibt. Eine Informationsveranstaltung für Anlieger ist im Januar geplant.

Geduld ist bei der Dorferneuerung Großheirath gefragt. Die Genehmigung wird erst im Frühjahr 2026 erwartet. Laut Siegel sei dies aber „nicht das schlechteste Zeit für Großheirath“, da die Förderrichtlinien überarbeitet werden und die Gemeinde auf 10-15% mehr Zuschuss hoffen könne.

Diskussion: Post, Verkehr und Friedhofssorgen

In der Diskussionsrunde beantwortete Siegel die Fragen der Bürger:

  • Poststelle: Die Post wird wiedereröffnet, sobald der Bäcker in die neuen Räumlichkeiten im Arztgebäude umzieht.
  • Verkehr Schulstraße: Die Engstelle an der Einmündung in den Hannebach, soll entschärft werden. Die Gemeinde erwirbt eine kleine Fläche, um die Einfahrt „etwas vergrößert“ zu gestalten. Nach der Baumaßnahme können LKS und Busse wieder den Hannebach problemlos befahren und müssen nicht über die Schulstraße ausweichen.
  • Verkehrsberuhigung: Forderungen nach Tempo 30 oder "Stolperstellen" erteilte Siegel eine Absage. Eine Verkehrsschau mit der Polizei habe ergeben, dass die Behörden keinen Handlungsbedarf sehen; bauliche Maßnahmen wie Aufpflasterungen seien nicht genehmigungsfähig.
  • Bürgersteig Rotweg: Der sanierungsbedürftige Gehweg soll im Rahmen der Dorferneuerung angegangen werden.
  • Amtsblatt: Den Wunsch nach einem gemeinsamen, hochwertigeren Amtsblatt mit Nachbargemeinden sieht Siegel als schwierig an. Ein Versuch in der ILE-Allianz sei an unterschiedlichen Erscheinungsterminen und Verlagen gescheitert.
  • Friedhof: Diskussionen löste auch die Fremdnutzung des Heckenweges um den Friedhof aus. Dieser sei wegen Fremdnutzung teils nicht zu nutzen. Weiterhin wurde der Plan zum Friedhof detailliert dargelegt und diskutiert. Insbesondere der Erhalt der Aussegnungshalle.

Ein persönlicher Abschied

Zum Abschluss der Fragerunde ergriff ein Bürger das Wort und fragte Siegel nach seinen persönlichen Erfahrungen. Der Bürgermeister, der 30 Jahre im Gemeinderat und davon 18 Jahre an der Spitze der Gemeinde stand, zeigte sich bewegt.

„Es hat Freude bereitet, nicht immer war es vergnügssteuernpflichtig“, resümierte Siegel. „War mir eine Ehre hier in Großheirath an vorderster Front für die Gemeinde einzutreten.“ Er gehe mit einem „offenen und einem weinenden Auge“. Sein Wunsch für die Zukunft: „Alles in allem wünsche ich meinem Nachfolgern, wer es auch immer wird, alles Gute, ein glückliches Händchen zum Wohle der Gemeinde Großheirath.“