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27.11.2025
Bürgerversammlung in Gossenberg: Bilanz nach 18 Jahren und offene Worte zu aktuellen Problemen
Gossenberg - Für Bürgermeister Udo Siegel war der Abend im Gemeindehaus in Gossenberg ein besonderer Termin: Es war die letzte Bürgerversammlung in seiner 18-jährigen Amtszeit. Vor den anwesenden Bürgern und Kandidaten der FREIEN WÄHLER Großheirath nutzte er die Gelegenheit für einen umfassenden Kassensturz und einen Ausblick auf kommende Herausforderungen.
Trotz eines Haushalts 2025, der so spät genehmigt wurde wie nie zuvor, konnte Siegel finanzielle Entwarnung geben. Die ursprünglich eingeplante Kreditaufnahme von rund 1,255 Millionen Euro wird in diesem Jahr nicht benötigt, da sich einige Maßnahmen verschoben haben. Erfreulich ist die Einnahmenseite: Die Einkommensteuer hat sich seit 2008 mehr als verdoppelt, und auch die Gewerbesteuer kletterte dank gut laufender Betriebe auf fast zwei Millionen Euro. Einziger Wermutstropfen: Durch die hohe Steuerkraft sinken im Gegenzug die staatlichen Schlüsselzuweisungen.
Millionen für Arztpraxis, Feuerwehr und Straßen
Siegel blickte auf massive Investitionen zurück. Der Umbau für die Verlegung der Arztpraxis, des Bäckers und eines Nagelstudios sei derzeit der größte finanzielle Posten. Man liege jedoch im Kostenrahmen; der Bäcker ist gerade, die Praxis soll Anfang nächsten Jahres umziehen. Auch in die Sicherheit wurde kräftig investiert: Neue Fahrzeuge für Großheirath und Buchenrod sowie Schutzkleidung schlugen mit hohen Summen zu Buche.
Auch der Straßenbau (Schulstraße, Hirtenberg in Rossach) und der Hochwasserschutz forderten die Gemeindekasse. Beim Thema Sirenen musste Siegel jedoch Probleme einräumen: Die Umrüstung auf digitale Technik verzögert sich massiv. Aufgrund der Schwierigkeiten mit der ausführenden Firma habe die Gemeinde inzwischen einen Rechtsbeistand eingeschaltet.
Zukunftsmusik: Glasfaser und Dorferneuerung
Der Blick nach vorn zeigt: Es bleibt arbeitsintensiv. Der Breitbandausbau steht mit über 2 Millionen Euro Investitionsvolumen an, wobei die Gemeinde auf ein Betreibermodell setzt. Für die Dorferneuerung Großheirath ist Geduld gefragt – die Genehmigung wird erst für Frühjahr 2026 erwartet, was jedoch aufgrund neuer Förderrichtlinien zu höheren Zuschüssen führen könnte.
Diskussion: Ärger über Sirenen-Firma und Kosten
Nach dem Bericht des Bürgermeisters kochten bei den Bürgern die Emotionen hoch, besonders beim Thema Sirenen. Die von Siegel erwähnten rechtlichen Schritte bestätigten den Eindruck vieler Anwesender: Die Arbeit der externen Firma, zuständig für Installation und Inbetriebnahme, steht stark in der Kritik. Die Forderung an die Verwaltung war deutlich: Hier muss dringend für eine funktionierende und kosteneffiziente Lösung gesorgt werden. Weiterhin würde der Standort der Sirene auf dem denkmalgeschützten Gemeindehaus stark kritisiert.
Sorge vor der Kläranlagen-Rechnung
Ein weiteres „kostspieliges“ Thema, das Siegel bereits in seinem Ausblick als größte Aufgabe der kommenden Jahre benannte, ist die Sanierung der Kläranlage. Obwohl Großheirath noch einen Zuschuss von 700.000 Euro erhält, machte der Bürgermeister klar, dass die Bürger zur Kasse gebeten werden müssen. Dies sorgte für spürbare Unruhe. Die Angst vor einer starken finanziellen Belastung durch Beiträge und Gebühren dominierte die Diskussion.
Infrastruktur: Wo der Schuh drückt
Abseits der Millionenprojekte äußerten die Bürger ihren Unmut über den alltäglichen Zustand des Ortes. Kritisiert wurden Bodenwellen in den Straßen, eine teils mangelhafte Straßenreinigung und vernachlässigte öffentliche Bereiche. Der Tenor: Einige Ecken der Gemeinde wirken ungepflegt, hier werden Verbesserungen erwartet. Auch kleinere Anliegen wie der Schnitt von Bäumen an Straßenrändern und die Instandhaltung von Brunnen wurden thematisiert.
Positiv endete der Abend jedoch beim Thema Sicherheit: Für die Zusammenarbeit Siegels mit der Freiwilligen Feuerwehr gab es vonseiten der Bürgerschaft viel Lob und ausdrücklichen Dank.